PrEP (PräExpositionsprophylaxe)

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Laut der WHO- Weltgesundheitsorganisation bildet die Prä-Expositions-Prophylaxe (kurz PrEP, auf Deutsch auch: „Vor-Risiko-Vorsorge“) neben dem Gebrauch von Kondomen eine zusätzliche Präventionsmöglichkeit. Im Blick stehen HIV-negative Personen mit erhöhtem HIV-Risiko, Männer, die Sex mit Männern haben und Paare mit unterschiedlichem HIV- Status. Dabei nehmen HIV-negative Personen das präventiv Medikament „Truvada“, vergleichsweise wie bei einer Anti-Baby-Pille, täglich ein um vor HIV-Infektionen geschützt zu sein.
Zurzeit ist die orale HIV-PrEP  nur in den USA zugelassen. Die britische PROUD-Studie, welche am 24.Februar 2015 veröffentlicht wurde, zeigt allerdings wie hoch die Schutzwirkung des Medikaments  Truvada ist und das dieses somit auch in Deutschland zugelassen werden sollte. An der Studie nahmen 545 schwule Männer mit erhöhtem HIV-Risiko (Analverkehr ohne Kondom) teil. Das erhöhte Risiko zeigt sich auch, da 84 Männer (34%) davon bei ihrer Aufnahme in die Studie, im Jahr zuvor eine Post- Expositions-Prophylaxe (PEP) machten. (Die PEP ist eine Notfallmaßnahme, bei der unmittelbar nach einer vermuteten HIV-Übertragung vorsorglich HIV-Medikamente verabreicht werden, um eine Ansteckung zu verhindern). Die an der Studie teilnehmenden Männer wurden in 2 Gruppen eingeteilt, von denen die eine von Anfang an das Medikament  verschrieben bekam, die andere Gruppe erst ein Jahr später. Bei den Männern die Truvada sofort erhielten wurden im ersten Jahr der Studienteilnahme 3 HIV-Infektionen festgestellt. Bei 239 beobachteten Personenjahren sind das 1,3 Fälle pro 100 Personenjahre. Bei den Männern, die sich mit HIV infizierten wird allerdings vermutet, dass diese zum Zeitpunkt der Infektion kein Truvada einnahmen. Möglicherweise hat sich eine der Personen bereits vor der Studie infiziert, eine andere ließ sich nur eine Monatsdosis verschreiben (nicht genügend Schutz) und ein anderer hatte monatelang kein Medikament eingenommen. Bei den Männern, die erst im zweiten Jahr mit den Tabletten begannen wurden 19 HIV-Infektionen festgestellt. Das sind bei 214 beobachteten Personenjahren 8,9 Fälle pro Personenjahr. Aus diesen Ergebnissen lässt sich eine Schutzwirkung von 86% errechnen.  Auch Studienleiterin Sheena McCormack setzt sich positiv für das Medikament ein: „Diese Ergebnisse zeigen, dass es einen Bedarf für die PrEP gibt, und sie geben Hoffnung, dass wir damit die Epidemie unter Männern, die Sex mit Männern haben, (…) umkehren können.“  
Truvada ist zwar nur bei regelmäßiger Einnahme wirksam, bietet jedoch immer noch einen sehr hohen Schutz, wenn die Einnahme ein bis zwei Mal vergessen wurde. Außerdem kann das Medikament bei klarem Verstand angewendet werden, im Gegensatz zu Kondomen. Kondome werden meist  unter Einfluss körpereigener Endorphinen, Alkohol oder Drogen benutzt, so dass sich nicht jeder in der Lage befindet, noch Kondome zu benutzen. Bei Einnahme der Truvada steht alle 3 Monate ein Arztbesuch an, wodurch auch regelmäßige Tests anderer sexuell übertragbarer Infektionen durchgeführt werden und Infektionen frühzeitig diagnostiziert/behandelt werden können. Dr. Richard Gilson vom Mortimer Market Centre in London ist ebenfalls der Meinung, dass Truvada zwar  nicht für jeden passt „(…) aber zumindest für einige Individuen und für einige Zeit als wichtige zusätzliche Maßnahme erwogen werden (sollte), um die anhaltend hohe Rate neuer Infektionen zu senken.“  Die Deutsche AIDS-Hilfe und andere europäische HIV-NGOs rufen in einem offenen Brief an die pharmazeutische Industrie, sowie die europäischen und nationalen Behörden alle relevanten Akteurinnen und Akteure auf, die PrEP in Europa für Menschen mit hohem HIV-Risiko verfügbar und zugänglich zu machen. Ob Truvada neben einer täglichen Einnahme auch eventuell nur „nach Bedarf“, also abhängig davon, wann man Sex hat funktioniert, wurde noch nicht verifiziert, erste Studienergebnisse deuten jedoch darauf hin.

Quellen: http://www.aidshilfe.de/
„HIV/AIDS von A bis Z“ ; 5. Auflage 2014

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