positive stimmen 2.0: Wie leben Menschen mit HIV im Jahr 2020?

15. Januar 2020

Unter dem Titel positive stimmen 2.0 soll 2020 in Deutschland eine Neuauflage des „People Living with HIV (PLHIV) Stigma Index“ durchgeführt werden. Die internationale Initiative hat seit 2008 mehr als 100.000 Menschen mit HIV in über 100 Ländern von anderen Menschen mit HIV zu HIV-bezogener Stigmatisierung und Diskriminierung befragen lassen.

People Living with HIV Stigma Index 2.0

2018 wurde in Amsterdam der People Living with HIV Stigma Index 2.0 vorgestellt. Er soll klären, wie unterschiedliche Gruppen von Menschen mit HIV durch Stigmatisierung und Diskriminierung beeinträchtigt werden. Gegenüber der ersten Version wurden zudem die Fragen zu Erfahrungen im Gesundheitswesen ausgeweitet. Der Fragebogen insgesamt wurde vereinfacht und kann jetzt auch per Tablet ausgefüllt werden.

„Wir wollen klare Handlungsempfehlungen formulieren“

In Deutschland soll diese Neuauflage 2020 unter dem Titel „positive stimmen 2.0“ von der Deutschen Aidshilfe und dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft umgesetzt werden. Dazu werden 25 HIV-positive Menschen als Interview_innen geschult, um vom Frühjahr bis zum Herbst 2020 rund 500 Personen im gesamten Bundesgebiet zu ihren Erfahrungen zu befragen.

„Durch ‚positive stimmen‘ haben wir in den Jahren 2011 und 2012 viele wichtige Erkenntnisse zum Alltag von Menschen mit HIV und vor allem erstmals auch handfeste Daten zur deren Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen gewinnen können“, erklärt Projektleiter Matthias Kuske.

Durch die neuen Daten wolle man nun überprüfen, wie sich die Lebenssituation für Menschen mit HIV seit 2012 verändert hat. „Vor allem aber können wir auf Basis dieser Informationen klare Handlungsempfehlungen für Organisationen, Verwaltung, Politik und andere gesellschaftliche Akteur_innen formulieren“, so Matthias Kuske weiter.

Entscheidend ist, die Vielfalt der HIV-Communitys abzubilden

Mitentscheidend für die Aussagekraft der Umfrageergebnisse sei, dass die Interviews die Vielfalt der HIV-Communitys möglichst breit abbilden, sagt Matthias Kuske: Heterosexuelle, Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben, Drogengebraucher_innen, Sexarbeiter_innen, Männer, Frauen und trans* Personen, Migrant_innen und Geflüchtete.

Wichtig: Austausch auf Augenhöhe

Das Projekt arbeitet dabei eng mit den Positiven-Netzwerken und anderen Organisationen der Selbsthilfe von Menschen mit HIV sowie den Aidshilfen und Projekten vor Ort zusammen.

Auch in der Neuauflage werden Menschen mit HIV andere Menschen mit HIV zu ihren Erfahrungen mit Stigma und Diskriminierung interviewen und sich auf Augenhöhe austauschen. Ergänzt werden diese Interviews diesmal durch eine Onlineumfrage zu Themen, die im Interview nicht aufgegriffen werden können. Zudem werden in Fokusgruppen besondere Themen intensiv beleuchtet.

positive stimmen 2.0: Jetzt bewerben!

Derzeit werden die HIV-positiven Interview_innen gesucht. Für ihre Tätigkeit erhalten sie eine kleine Aufwandsentschädigung. Die Interview-Schulung wird an zwei Wochenenden angeboten: einmal vom 21. bis zum 23. Februar, das andere Mal vom 13. bis zum 15. März. Schulungsort ist Kassel.

Bewerbungen sollten bis zum 10. Januar an positive-stimmen@dah.aidshilfe.de geschickt werden – insbesondere trans* Menschen und Drogengebraucher_innen fehlen noch. (Achtung: Die Frist wurde verlängert!)

Auch Menschen mit HIV, die sich als Interviewpartner_in zu Verfügung stellen wollen, können sich unter dieser Adresse melden.

positive stimmen wird fortgeschrieben

Die erste Umsetzung des PLHIV Stigma Index in Deutschland fand in den Jahren 2011 und 2012 statt: 1.148 Menschen mit HIV kamen im Rahmen des Projekts „positive stimmen“ mit 40 ebenfalls HIV-positiven, eigens geschulten Interviewer_innen über ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung ins Gespräch. Auf dieser Grundlage erarbeitete der Projektbeirat politische Forderungen und Empfehlungen zum Abbau HIV-bezogener Diskriminierung, die zusammen mit den Ergebnissen veröffentlicht wurden

Nähere Informationen sowie die Ergebnisse der ersten „positive-stimmen“-Umfrage gibt es auf www.positive-stimmen.de.

Ansprechpartner und Kontakt:

Matthias Kuske
Deutsche Aidshilfe
Wilhelmstr. 138
10963 Berlin
Tel: 030-690087-23
matthias.kuske@dah.aidshilfe.de

(ascho/hs)

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