Die Aidshilfe kann mehr

1. Dezember 2016 Stellungnahme des Projektleiters der AIDS-Hilfe Weimar & Ostthüringen zum Welt-Aids-Tag

„Mit HIV kann man heute leben. Mit Diskriminierung nicht.“ lautet die zentrale Botschaft der bundesweiten Kampagne #positivzusammenleben anlässlich des diesjährigen Welt-Aids-Tages. Damit wird zugleich darauf hingewiesen, dass es Menschen mit HIV mittlerweile möglich ist, aufgrund des medizinischen Fortschritts und einer eigenen selbstbewussten Haltung weitgehend ohne Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen, dass sie aber gleichzeitig nach wie vor Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt sind.

Die aktuellen Daten des Robert-Koch-Institutes zur Entwicklung der HIV-Infektion besagen, dass Ende 2015 in Deutschland 84.700 Menschen mit einer HIV-Infektion lebten, in Thüringen waren es 590. Die jährlichen Neuinfektionen bewegen sich, verglichen mit anderen europäischen Ländern, auf niedrigem Niveau. Das zeigt, dass unsere Präventionsstrategie der Aufklärung und Information und der Antidiskriminierungsarbeit wirksam ist. 2015 waren es, wie im Jahr davor, bundesweit 3.200 HIV-Neuinfektionen, in Thüringen waren es 50 Menschen, die sich neu infizierten.

Die Aidshilfen können mehr. Daher fordern wir die Stärkung unserer Ressourcen. Will man die Zahl der Neuinfektionen senken, so gilt es, die Prävention von HIV und sexuell übertragbaren Infektionen zu verstärken, über die gesamte Breite der Schutzmöglichkeiten aufzuklären und sie allen Menschen zu ermöglichen.

In Thüringen wird die Prävention ausgerechnet bei denen, die am stärksten von HIV betroffen sind, bei Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben (ca. 70 % der Neuinfektionen), von der Politik nicht gefördert.

 

Im Justizvollzug sind die Risiken, sich mit HIV, Hepatitis B und C zu infizieren besonders hoch. Inhaftierten sollten die gleichen Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung von HIV zur Verfügung gestellt werden. Wir fordern die Umsetzung des Äquivalenzprinzips für Menschen in Haft.

Die Verwendung von Kondomen bleibt für die meisten Menschen das wichtigste Mittel, sich vor HIV zu schützen. Es reduziert außerdem die Möglichkeiten der Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

Seit Jahren klären wir darüber auf, dass auch eine wirksame Therapie vor einer Übertragung von HIV schützt.

Seit diesem Jahr ist die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), bei der Medikamente vorbeugend eingenommen werden, verschreibungsfähig. Insbesondere bei Menschen mit hohen Infektionsrisiken schützt ihre Einnahme. Eine Hürde sind jedoch die hohen Kosten. Wir fordern die Kassen auf, die PrEP zu finanzieren, sie ist ein wirksamer Schutz und spart Therapiekosten.

Die Prävention ist komplexer geworden. Sie bedarf einer differenzierten Vermittlung und individuellen Beratung. Neben der entsprechenden Fortbildung von Ärzten müssen die niedrigschwelligen Angebote der Aidshilfen gestärkt werden, die Haushaltsansätze für die Arbeit der Aidshilfen erhöht und insbesondere die zielgruppenspezifische Prävention gefördert werden.

„Mit HIV kann man heute leben.“ So lautet der erste Teil des Mottos des diesjährigen Welt-Aids-Tages. Die schlimmen Folgen einer HIV-Infektion können jedoch nur verhindert werden, wenn Infektionen frühzeitig diagnostiziert werden. In Deutschland wissen 12.600 (ca. 15%) der HIV-Infizierten nichts von ihrer Infekltion. Auch hier sind wieder die Ärzte gefordert, die offen und vertraulich mit Ihren Patienten über Übertragungsrisiken reden und den Test anbieten sollten. Aber auch niedrigschwellige Testangebote sollten gefördert werden. Wir wünschen uns, dass in Thüringen auch weiterhin HIV-Tests und Untersuchungen von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten kostenlos möglich sind. Die AIDS-Hilfe Weimar und Ostthüringen bieten den HIV-Test und den Syhilis-Test kostenlos und anonym an.

Um Menschen zu motivieren einen Test zu machen, müssen wir Ängste vor Ausgrenzung nach einem positiven Testergebnis abbauen. Daher wollen wir zeigen, dass man mit HIV heute leben kann und mit unserer Aufklärungsarbeit eine Gesellschaft entwickeln, in der Menschen mit HIV diskriminierungsfrei leben können.

Am Welt-Aids-Tag sind wir am Vormittag in Jena im Hörsaalgebäude auf dem Universitätscampus mit ca. 200 Jugendlichen im Gespräch, nachmittags sind wir ab 15.00 Uhr in der Weimarer Innenstadt ansprechbar, wohin wir auch um 17.00 Uhr an den Gedenkort „Dreizeiler für Weimar“ in die Frauentorstraße zu einer Gedenkveranstaltung für die Menschen die an den Folgen von HIV/Aids gestorben sind, einladen.

In der Galerie C.Keller & Galerie Markt 21 in Weimar zeigen wir die Ausstellung „Halbe Stunde“ der Fotografin Tanja Birkner, die sich dem Thema der Prostitution widmet.

 

Standort

Frauentorstr.
99423 Weimar
Deutschland
50° 58' 51.5856" N, 11° 19' 25.1076" E

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