21. Juli: Kundgebung zum Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher_innen in Jena

24. Juli 2017

1333. Dies ist die Anzahl derer, die im Jahr 2016 in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben sind. Auch in diesem Jahr wurde ihrer am 21. Juli, dem Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher_innen, in Jena gedacht.

So veranstaltete das Kontaktcafé des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe, die SiT (Suchthilfe in Thüringen GmbH), Streetwork Lobeda und Streetwork Winzerla gemeinsam mit dem AIDS-Hilfe Weimar & Ostthüringen e.V., eine Kundgebung. Neben Informationsständen, an denen Gespräche geführt und Informationsmaterial mitgenommen werden konnte, wurde ein Gedenktisch aufgestellt, an dem man einen Eintrag in einem Kondolenzbuch hinterlassen konnte. Eine „Mauer“ gegen gesellschaftliche Ausgrenzung bot die Möglichkeit, letzte Grüße und Botschaften aufzuschreiben.

Nach der Eröffnung von Herrn Marco Lohwasser, Mitarbeiter des Kontaktcafés, hielt Frau Gudrun Möchel, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Jena, eine erste Rede, in der sie die Wichtigkeit des Gedenktages unterstrich. Michael Kleim, Jugendpfarrer aus Gera, erzählte mit musikalischer Untermalung und flammenden Engagement von den verheerenden Folgen deutscher Drogenpolitik und endete mit den erkenntnisreichen Worten: „An Drogen kann man sterben, muss es aber nicht. Mit Drogen kann man leben. Mit der bestehenden Drogenpolitik / Prohibition nicht.“

Damit wies er direkt auf das Motto des diesjährigen Gedenktages hin: „Menschenrechte auch für Drogengebraucher_innen!“. Die seit vier Jahren steigende Anzahl der drogenbedingten Todesfälle sind unter anderem durch die herrschende Drogenpolitik verursacht. Maßnahmen, um Todesfälle zu verhindern und Gesundheitsschäden zu reduzieren, bleiben ungenutzt. Dem Menschenrecht auf den besten erreichbaren Gesundheitszustand kommt die auf Kriminalisierung setzende Politik nicht nach. Um das Überleben von Drogengebraucher_innen zu sichern und die Risiken des Konsums, wie etwa HIV- und Hepatitis-Infektionen zu mindern, gilt es, auf Maßnahmen statt auf Repression zu setzen. Beispiele für wirksame Maßnahmen sind etwa Drogenkonsumräume, die Ausgabe des Opiat-Antagonisten Naloxon, Drugchecking, die Vergabe steriler Konsumutensilien und andere Präventionsmaßnahmen in Haft sowie die Substitutionsbehandlung.

Es bedarf eines dringenden Kurswechsels in der Drogenpolitik und der Justiz, das belegen nicht nur die steigenden Zahlen der Todesopfer. Statt herrschender Strafverfolgung, die unter anderem zum Entfernen der Drogengebraucher_innen von bestehenden Hilfsangeboten führt, muss Unterstützung das Mittel der Wahl sein. Nur so kann nachhaltig Veränderung bewirkt werden.

Also lasst uns nicht nur am 21. Juli den verstorbenen Drogengebraucher_innen gedenken. Lasst uns die Lebenden schützen, das gesamte Jahr über.